Achtung: Hier wirst Du beeinflusst!

Influencer-Marketing boomt: Viele junge Leute vertrauen Instagram-Promis mehr als den klassischen Medien. Und Unternehmen wissen sich das immer besser zunutze zu machen. Fabian Plüss vom Start-up Kingfluencers und Influencerin Sylwina über den Hype. 

 

Von Yvonne von Hunnius

Momentan wirbt die Hotelkette Ibis Schweiz unter dem Motto «Relax we post» für einen speziellen Service: Prominente Instagram-Influencer wie Sylwina und Sara Leutenegger übernehmen für Gäste ein Wochenende das Posten von Bildern auf Instagram, damit diese sich entspannen können. Und sie posten selbst eifrig zur Kampagne. Die Idee macht sich Influencer-Macht zunutze und stellt sich gleichzeitig auf die Seite derjenigen, die diese kritisch sehen. Das ist hip – auch bei den vielen, für die Influencer die neuen Meinungsführer sind. Laut dem aktuellen Media-Use-Index schenken 30 Prozent der Digital Natives in der Schweiz Influencern mehr Vertrauen als den klassischen Medien – 43 Prozent mehr als 2017.

Influencer-Marketing professionalisiert sich


Influencer Marketing wirkt. Das ist keine neue Erkenntnis, denn eigentlich passiert hier nichts anderes als Empfehlungsmarketing über digitale Kanäle. Doch überraschend ist die grosse Dynamik, die Social-Media-Kanäle wie Facebook, Youtube und Instagram sehr schnell zu zentralen Elementen im Mediamix gemacht hat. Perfekt ist das für Konsumprodukte oder Dienstleistungen für Endkunden und ein junges bis sehr junges Publikum. Laut der jährlichen Social-Media-Schweiz-Studie hatten noch 2013 nur 30 Prozent der Unternehmen spezielle Budgets für diese Kanäle – heute sind es 70 Prozent. Diese Professionalisierung beobachtet auch Fabian Plüss, Gründer der Social-Media-Marketing-Plattform Kingfluencers. Noch im Start-up-Status ist Kingfluencers in der Schweiz schon zur Grösse geworden und arbeitet mit Unternehmen wie Credit Suisse, Coop oder Evian zusammen. Auf der Plattform finden sich 1600 Influencer, die von der Agentur «gematcht», also mit Kunden zusammengebracht werden, die zu den Profilen passen. Über Kingfluencers hat auch die 29-jährige Schweizer Instagram-Ikone Sylwina zu Ibis gefunden. Ein anderer Kunde von ihr ist die Bio-Limonade Carpe Diem. Und schon küsst sie auf einem Instagram-Foto eine überdimensionale Limonadenflasche und verkündet, nun Carpe-Diem-Botschafterin zu sein. 

Authentizität ist das Kapital


Sylwina ist seltener mit einem Kussmund auf Fotos zu sehen als andere Influencerinnen, doch manchmal muss es sein. Das Spielen mit Klischees gehört zur Instagram-Identität. Es ist ein Spiel, das man durchschaut und trotzdem mag. Jeder weiss, Sylwina wird für den Carpe-Diem-Post bezahlt, möchte aber so gern glauben, dass sie gerade wirklich voll auf Kombucha abfährt. Und Sylwina glaubt man es. Eloquent spricht sie im Interview davon, dass sie bei ihrem Instagram-Account den Spass in den Vordergrund stellen und finanziell nicht davon abhängig sein will. Deshalb hat sie sich breiter aufgestellt: Sie betreut professionell Social-Media-Profile von Unternehmen und moderiert zudem. «Wer weiss, wie es mit Instagram weitergeht», sagt Sylwina. So könne sie authentisch bleiben und habe die Freiheit, nur Werbepartnerschaften einzugehen, die ihr wichtig seien. «Authentisch», da ist das Wort, dessen Wert – so scheint es – in diesem Business kein Gold der Welt aufwiegen kann.

«Das Kapital der Influencer ist ihre Glaubwürdigkeit für ihre Follower innerhalb des Feeds», sagt Fabian Plüss. Die Authentizität steht und fällt damit, ob der Mix zwischen bezahlten und unbezahlten Posts gelingt, ob der Influencer auch bei bezahlten Posts den richtigen Ton trifft und ob das Produkt schlicht zu ihm passt. Ein Drahtseilakt, bei dem ein Fehltritt mit dem Verlust von Followern bestraft wird. Laut Plüss sind kommerzielle Posts bei klassischen Lifestyle-Influencern viel akzeptierter als beispielsweise bei Musikern oder anderen Künstlern, die auf Instagram als Influencer unterwegs sind. Diese haben es in Regel schwerer und müssen viel subtiler kommunizieren, sonst nehmen ihre Fans ihnen das übel.

 

Sylwina (zvg)

 Follower bringen Geld


Dabei kommen die meisten Influencer nicht aus der A-Liga der Schweizer Prominenz. Viele wurden mit einer Welle der Bekanntheit auf die Instagram-Bühne gespült. Wie etwa Kristina Bazan. 2011 war sie noch Miss-Schweiz-Kandidatin. Heute gilt sie mit 2,2 Millionen Followern auf Instagram als eine der erfolgreichsten Schweizer Influencerinnen überhaupt und gibt unzähligen Mädchen Nachhilfe in Sachen Extravaganz. Es ist nicht bekannt, wie viel Bazan für einen Post kassiert, der teilweise 13 000 Menschen dazu motiviert, den Like-Knopf zu drücken. Bei Kingfluencers wird nach Flat-Tarif bezahlt – egal, wie viele Likes ein Post nach sich zieht. Die Anzahl an Followern ist trotzdem Messlatte für den Preis pro Post. «Das Gros der Influencer bekommt zwischen 500 und 1500 Franken», sagt Plüss und hat auch gleich die Unternehmenstarife parat: Für 10000 Franken bekommt ein Werbekunde entweder einen sehr reichweitenstarken Influencer oder fünf bis zehn mittelstarke Influencer – mit jeweils ein bis zwei Beiträgen. 

Marco Varga (zvg)

Schwarze Schafe sind enttarnt


Kein Wunder, dass gebuhlt wird um Follower und Likes – teilweise mit unlauteren Mitteln. Gerade in den letzten Monaten war das Dauerthema in den Medien. Da werden nicht nur falsche Follower oder Likes gekauft. Über WhatsApp gibt es etwa auch unzählige Engagement-Gruppen mit hunderten Teilnehmern, die bereit zum Klicken sind. So bekommt ein Post genug Schub in den ersten 60 Minuten nach der Veröffentlichung, die für den Instagram-Algorithmus besonders wichtig sind. 

Plüss spielt das in die Hände, denn er wirbt mit qualifizierten Influencern. Er sagt: «Diese Debatte war für die Branche gesund und hat auch einige aus dem Rennen genommen.» Doch so schnell geht der Hype nicht vorbei. «Gute Influencer und ein professionelles Kampagnenhandling sind für die Brands Gold wert, das beweisen die Zahlen eindeutig», so Plüss. 

 

Fabian Plüss, CCO und Gründer von Kingfluencers (zvg)