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Nachhaltigkeit ist ein Zukunftsmarkt

Wer mit seiner Geschäftsidee Antworten auf ökologische Herausforderungen sucht, hat gute Karten. Gerade der Mobilitätsbereich ist gefragt, sagt Simone Riedel Riley vom Technologiefonds. Seit 2014 unterstützt dieser grüne Start-ups mit Bürgschaften. 

 

Interview: Yvonne von Hunnius

 

Wo sehen Sie Ihrer Erfahrung nach den grössten Vorteil der Start-up-Szene in der Schweiz? 


Simone Riedel Riley: Im Standort. Oder noch besser in den Standorten: Das heisst, überall in der Schweiz gibt es Orte, wo potenziell Jungunternehmen entstehen. Die Zentren bleiben aber die Waadt und Zürich, weil die dortigen technischen Hochschulen und Universitäten ein ideales Umfeld für Gründungen bieten. Im vergangenen Jahr hat sich indes der Kanton Zug mit zahlreichen Finanzierungen im Fintech-Bereich hervorgetan. Im Gegensatz zu Ländern wie Grossbritannien, Frankreich und Deutschland, wo es nur London, Paris oder Berlin gibt, existieren hier Start-up-Cluster mit Einrichtungen und Organisationen in Zürich, in der Waadt, in Zug, Basel und an weiteren Orten.

Und wo liegt das grösste Potenzial?


Das Potenzial liegt in der Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit ist Trendthema und Zukunftsmarkt für Start-ups zugleich; durch Klimaschutz, Ressourcenschonung, nachhaltige Mobilität und  Energieerzeugung sowie die Veränderung unserer Lebensstile entwickeln sich Wachstumsfelder der Zukunft mit grossem Potenzial. Zahlreiche junge Unternehmen verbinden deshalb neue Geschäftsideen mit innovativen Nachhaltigkeitskonzepten.

 

Fokusthemen des Technologiefonds sind Treibhausgasreduktion, Ressourcenschonung und erneuerbare Energien. In welchem Sektor ist die Dynamik besonders stark? 


Der grösste Teil der Treibhausgasemissionen – knapp ein Drittel – stammt aus dem Verkehr. Je zirka 20 Prozent der Gesamtemissionen entfallen auf Haushalte und Industrie, je rund 10 Prozent auf Landwirtschaft und Dienstleistungen. Nehmen wir nun die Unternehmen, welche beim Technologiefonds eine Darlehenbürgschaft beantragen, stellen wir fest, dass Technologien aus dem Sektor Verkehr/Mobilität tatsächlich prominent vertreten sind. Insbesondere in den Bereichen Elektromobilität und Proptech, aber auch Landwirtschaft beziehungsweise Nahrungsmittel, analysieren wir derzeit viele Gesuche.

40 Prozent der Gesuchsteller erhalten eine Bürgschaft: Welche Hauptgründe gibt es für eine Absage?


Erstens, wenn sie sich zu frühphasig bewerben. Wir sehen bei den Gesuchstellern oft interessante Ansätze für neue Produkte, welche aber – noch – zu wenig ausgereift sind, um marktfähig zu sein und somit die Kriterien für den Technologiefonds zu erfüllen. Zweitens, wenn die Marktchancen zu gering sind, weil das Produkt zu wenig innovativ ist, sich nicht von den Konkurrenzprodukten abheben kann oder der adressierbare Markt zu klein ist. Marktchancen sind jedoch für den Technologiefonds ein zentrales Kriterium.

Wie sieht die Erfolgsquote der von Ihnen unterstützten Start-ups aus?


Nach 3,5 Jahren operativer Tätigkeit haben wir beim Technologiefonds erfreulicherweise zwei Erfolgsfälle und glücklicherweise erst drei Schadenfälle zu verzeichnen. Die von uns verbürgten Darlehen haben jedoch eine durchschnittliche Laufzeit von etwa sieben Jahren. Erst nach Abschluss der Laufzeit kann also definitiv beurteilt werden, wie hoch die Erfolgsquote des Technologiefonds ist.

207 Cleantech-Start-ups sind laut Erhebungen seit zehn Jahren in der Schweiz gegründet worden, die Dynamik lässt aber seit 2015 nach. Warum?  


Generell hat das Thema Ökologie in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Das widerspiegelt sich auch im Schweizer Cleantech-Sektor: Es ist eine gute Nachricht, dass in den letzten zehn Jahren 207 technologische Cleantech-Start-ups gegründet wurden, welche noch heute selbständig tätig sind. Die Branche macht inzwischen fast 5 Prozent des Schweizer BIP aus, und in den letzten fünf Jahren stieg die Zahl der Arbeitsplätze um 25 Prozent. 

Und weshalb sinkt dann die Zahl der Unternehmen seit 2015?


Das lässt sich gemäss einer Umfrage von CleantechAlps mit einem Verlust von Vertrauen in den Cleantech-Sektor, insbesondere in den Bereich Energie, begründen. Dieser ist wiederum auf die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Gesetzgebung oder zumindest auf einen Mangel an mittelfristiger Sichtbarkeit zurückzuführen. Die rückläufige Zahl der 2015 und 2016 gegründeten Unternehmen könnte zum anderen auch daher rühren, dass die jungen Unternehmen noch wenig sichtbar und daher schwieriger zu erfassen sind. Die Zukunft wird uns dies zeigen. 

Liegt es nicht manchmal auch an der Kategorisierung? 


Es stimmt, dass sogenannte saubere Technologien sich oft nicht auf einen Industriezweig beschränken und die Unternehmen in diesem Markt oft schwer zu definieren sind. Ein Beispiel: Wingtra ist Hersteller einer Drohne, die ein Hybrid zwischen Multikopter und Flugzeug ist. Das Gerät soll im Tierschutz, der Landwirtschaft oder für Paketlieferungen eingesetzt werden können. Ist das Unternehmen nun der Landwirtschaft zuzuordnen? Oder der Industrie? Oder doch dem Verkehr? So gesehen ist jede Firma, die eine Technologie oder ein Produkt als Antwort auf eine ökologische Herausforderung entwickelt, ein Cleantech-Unternehmen. Und der Technologiefonds unterstützt Firmen in allen CO2-relevanten Kategorien.

Simone Riedel Riley leitet im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt die Geschäftsstelle des Technologiefonds. Sie hat Finanzwissenschaften an den Universitäten Zürich, Harvard und Indiana (USA) studiert.

Das ist der Technologiefonds:


Der Technologiefonds vergibt Bürgschaften an innovative Unternehmen – seien es Start-ups oder KMU –, die aktiv sind in den Bereichen Senkung des Treibhausgasausstosses und des Ressourcenverbrauchs sowie Förderung erneuerbarer Energien. Der Fonds ist ein im CO2-Gesetz verankertes, klimapolitisches Instrument des Bundes. Bis Ende Juni 2018 wurden über 200 Gesuche geprüft und knapp 60 Bürgschaften mit einem Gesamtvolumen von über 70 Millionen Franken vergeben. Operativ geleitet wird der Fonds durch Emerald Technology Ventures in Zürich.

 

Weitere Infos unter
technologiefonds.ch

 

So funktioniert ein Gesuch beim Technologiefonds:


Unternehmen können laufend eine Bürgschaft beantragen. Auf technologiefonds.ch gibt es einen 5-Minuten-Vorab-Check, um zu prüfen, ob die wichtigsten Kriterien erfüllt werden. Dann wird jedes einzelne Gesuch von der Geschäftsstelle geprüft und betreut. Dafür zuständig sind Experten, die über entsprechende Branchenkenntnisse verfügen und auch vertiefte technische und betriebswirtschaftliche Expertisen mitbringen. Die Bürgschaft darf höchstens 3 Millionen Franken betragen, und ihre maximale Laufzeit beträgt zehn Jahre. 

 

 

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