Wie eine Zürcher App weltweit Mitarbeiter verbindet

(zvg)

Das ETH-Spin-off Beekeeper schreibt mit seiner Mitarbeiter-App eine rasante Erfolgsgeschichte. 2012 gegründet, beschäftigt es heute über 130 Mitarbeiter. Die App wird in über 130 Ländern von Menschen verwendet, die nicht digitalisiert arbeiten. Laut Mitgründer Cristian Grossmann ist Zürich die perfekte Basis für das Wachstum.

Interview: Yvonne von Hunnius

Neben Zürich, wo Forschung und Entwicklung sitzt, hat Beekeeper auch Niederlassungen in San Francisco, Krakau, London und Berlin. Wie wichtig ist Zürich?


Cristian Grossmann: Zürich ist der Geburtsort von Beekeeper, wo wir auch nach über sechs Jahren noch am breitesten vertreten sind, derzeit mit rund 80 Mitarbeitern, und für uns daher extrem wichtig. Zürich hat sich in den letzten Jahren jobtechnisch zu einem wahren Paradies für Expats gemausert. Dies ist auch bei uns sichtbar: Unsere Talente stammen aus 34 verschiedenen Nationen. Andererseits eignet sich die Stadt auch aufgrund unserer Nähe zur ETH sehr gut als Hauptsitz. Viele Mitarbeiter unserer Engineering-Abteilung sind ehemalige ETHler.

Beekeeper ist ja auch ein ETH-Spin-off. Haben Sie noch häufig Kontakt zur Hochschule?


Wir nehmen regelmässig an Veranstaltungen und Workshops teil, sei dies, um direkt mit potenziellen Talenten in Kontakt zu treten oder den Studenten als Coaches mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit der Hochschule sehr.

Und wie sieht es mit San Francisco aus?


San Francisco ist neben Zürich der nächst grössere unserer Standorte, wo wir dank einem unserer Investoren relativ früh Fuss fassen konnten. Für Start-ups im Tech-Bereich ist es unabdingbar, an den namhaften IT- und Innovationshubs der Welt präsent zu sein, um sich so direkt am Puls der Zeit zu bewegen und neue Trends sowie Innovationen direkt zu erfahren.

Ihre Strategie scheint zu funktionieren – erst im September hat Beekeeper wieder Schlagzeilen gemacht mit einer Aufstockung von Investorengeldern…


Genau, die Runde der Serie A wurde um 13 Millionen US-Dollar aufgestockt. 2017 hatten wir im Rahmen der Serie A bereits 8 Millionen US-Dollar eingenommen. In der Seed-Runde 2016 waren bereits 5 Millionen US-Dollar zusammengekommen.

Wie sehen Sie die Tech-Start-up-Szene Zürich im Hinblick auf finanzielle Perspektiven?


In den letzten Jahren gab es in der Tech-Start-up-Szene Zürichs einen extremen Fortschritt bezüglich Investitionsgelder. Mittlerweile orientieren sich Investoren vermehrt an Zürich, weil der Dealflow sehr stark ist. Dies führt auch dazu, dass viele Zürcher Start-ups bereits europaweit oder gar global tätig sein können. Wenn wir uns weiterhin auf demselben Pfad befinden wie die letzten Jahre, werden wir als nächstes Unternehmen Zürichs in die Welt hinauswachsen.

Kommen wir doch zur Beekeeper-App – wie würden Sie den Kern des Modells beschreiben?


Angefangen hat bei uns alles mit der Digitalisierung des Schwarzen Brettes. Wir haben realisiert, dass bei vielen grossen Unternehmen die Kommunikation mit den mobilen Mitarbeitern offline und somit extrem zeitverschoben abläuft. Das führte dazu, dass viele Non-Desk-Mitarbeiter nicht richtig informiert waren. Neben diesem Aspekt der internen Kommunikation wurde uns zunehmend bewusst, dass es gerade für diejenigen Mitarbeiter ohne PC-Arbeitsplatz kaum Wege gibt, ihren Arbeitsalltag mithilfe der Digitalisierung effizienter zu gestalten, also beispielsweise Prozesse zu optimieren. Hierzu trägt in einem grossen Masse bei, dass man über unsere Plattform kommunizieren kann.

Dann ist der Kunde gefangen im Beekeper-Universum – oder wie offen ist die Plattform?


Unser Marketplace führt dazu, dass genau dies nicht passieren kann. Über diesen lassen sich bestehende operative Systeme einfach und sicher mit Beekeeper integrieren. Darüber hinaus können Kunden über eine offene Programmierschnittstelle selbst Programme bauen, die sich anschliessend mit Beekeeper integrieren lassen. Somit handelt es sich bei unserer Lösung um eine Mitarbeiter-Plattform, welche die Digitalisierung des Arbeitsplatzes von Non-Desk-Mitarbeitern vorantreibt. Und das, indem wir einen mobilen Kommunikationskanal bereitstellen und eine Infrastruktur für die Optimierung von Arbeitsprozessen schaffen.

83 Prozent der arbeitenden Menschen weltweit arbeiten offline. In welchem Bereich sehen Sie das grösste Wachstumspotenzial für sich?


In der Hotellerie, im produzierenden Gewerbe, Einzelhandel und Bauwesen, wobei wir einen Fokus auf die Hotellerie legen. Generell richten wir unsere Lösung nach den Bedürfnissen der Non-Desk-Mitarbeiter aus, um deren Arbeitsplatz zu digitalisieren. Es gibt bereits eine Unmenge an Produkten, die sich der Digitalisierung der Mitarbeiter mit Schreibtisch und PC widmen – doch die sind ja bereits digitalisiert. Aus diesem Grund rollen wir das Feld sozusagen von hinten auf und stellen denjenigen Menschen ein Produkt zur Verfügung, für die es bis anhin noch keines gab.

Cristian Grossmann war 2012 neben Flavio Pfaffhauser der Gründer von Beekeeper und ist heute dessen CEO. Grossmann hat an der ETH Zürich als Elektroingenieur promoviert. Die beiden Gründer haben in den letzten drei Jahren insgesamt 26 Millionen US-Dollar von Investoren aufnehmen können. Die Entwicklung hat dazu geführt, dass Beekeeper im Frühjahr 2018 als eines der weltweit am schnellsten wachsenden Unternehmen, die im Bereich Software as a Service (SaaS) tätig sind, in den SaaS-Index aufgenommen wurde. Zu den Kunden gehören etwa die Hotelgruppe Mandarin Oriental, der Flughafen Heathrow und der Detailhändler Globus.