Befreien wir die Bilder aus dem 2D-Gefängnis

Das Lausanner Start-up Creal3D will, dass wir Gegenstände bei Mixed-Reality Anwendungen so natürlich wie in der realen Welt sehen. Laut Mitgründer und CEO Tomas Sluka kommt man dank einer neuen Lichtfeld-Technologie diesem Ziel sehr nahe.

 

Interview: Yvonne von Hunnius

 

Ist die Zukunft der Technologie rund um Virtual, Augmented, Mixed Reality wirklich so rosig, wie sie schon seit langem beschrieben wird?


Tomas Sluka: Diese Technologie wird weit über ihr aktuelles Potenzial hinausgehen und wartet auf eine Reihe wichtiger Durchbrüche. Virtuelle Objekte werden letztlich Teil der realen Welt und unseres täglichen Lebens. Das ist nur ein natürlicher nächster Schritt in der Entwicklung der Informationstechnologie. Eines Tages werden die beiden Welten vollständig verschmelzen. Die Lightfield Technology wird eine der nächsten Durchbrüche sein.

Darauf setzten Sie mit Ihrem Start-up ja – weshalb?


Die Realität ist dreidimensional, aber die virtuelle Realität von heute nicht. Zumindest nicht ganz. Visuelle Konflikte sorgen dafür, dass die Menschen sich in weniger als
20 Minuten seltsam, wenn nicht sogar wirklich schlecht fühlen. Mit heutigen VR-Brillen spüren viele sofort eine Augenbelastung – das geht laut Studien etwa 15 Prozent der Menschen so. Es wird grosser Aufwand betrieben, um das Problem der visuellen Konflikte zu beheben. Dabei liegt die eigentliche Herausforderung bei Mixed Reality, bei der man reale und virtuelle Objekte ohne visuelle Konflikte nebeneinander sehen möchte. Ohne Lichtfeld ist dies nicht möglich.

Was meinen Sie damit?


Heutige 3D-Headsets verwenden zwei Flachbildschirme, um eine Illusion der dritten Dimension zu erzeugen. Zwei Augen nehmen die Tiefe wahr, aber jedes Auge sieht nur ein flaches Bild in falscher Entfernung. In der Realität sind wir dagegen gewohnt, dass schon ein Auge die Tiefe wahrnimmt. Wenn du deinen Finger mit einem Auge betrachtest, musst du dich auf ihn konzentrieren, um ihn scharf zu sehen. Oder du fokussierst weiter, wenn du die Dinge dahinter scharf sehen willst. Dein Auge ändert den Fokus und sieht, wie sich die Unschärfe ändert. Dieser Effekt fehlt völlig bei einem Flachbildschirm. Daher kann man bei Mixed-Reality-Anwendungen heute die eigene Hand und zum Beispiel einen virtuellen Ring darauf nicht im gleichen Fokus sehen. Das eine oder andere ist verschwommen.

Verstehe – und was macht Lightfield?


Hiermit werden die Eigenschaften des realen Lichts authentisch imitiert. Die Technik ermöglicht es den Augen, auf virtuelle Objekte in verschiedenen Entfernungen zu fokussieren, so wie sie es in der realen Welt tun. Das ist natürlich für unser Sehen, es beseitigt die unangenehme Augenbelastung und ermöglicht den Mix von virtuellen und realen Objekten. Die Technik ist daher der Schlüssel, um Bilder aus dem 2D-Gefängnis des Flachbildschirms zu befreien und sie in der realen dreidimensionalen Welt gedeihen zu lassen. Diese Technologie wird die Art und Weise, wie wir Informationen konsumieren, genauso verändern wie das Internet und Smartphones.

Was kann denn Ihre Lösung, was noch keine andere kann?


Wir haben eine Technologie entwickelt, die Bilder mit echter hochauflösender Tiefe projizieren kann, genau wie Hologramme. Und sie kann in Brillen eingebaut werden, die klein genug sind, um tragbar und sogar modisch kompatibel zu sein. Andere Technologien gehen in der Regel drastische Kompromisse ein, sie verwenden etwa zwei Tiefenebenen, zwischen denen man wechseln muss oder reduzieren die Auflösung. Unsere Technologie bietet einen praktischen Kompromiss zwischen allen wichtigen Parametern, ist robust und heute machbar.

Wie geht es nun weiter?


Unser Team von acht Personen arbeitet an der weiteren Produktentwicklung. Wir kalibrieren den zweiten Prototyp mit einer deutlich höheren Hellfeldbildqualität. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Gerät die zum jetzigen Stand echtesten virtuellen 3D-Bilder erzeugt. Wir planen einen High-End-Produkt-Prototypen Mitte 2019. Unsere Investoren aus dem Business-Angel- und Family-Office-Bereich erhöhen jetzt ihre Finanzierung, damit wir gegen Ende 2019 mit der Vorbereitung auf eine Kleinproduktion starten können.

Magic Leap hatte Lightfield-Elemente angekündigt, aber nicht installiert – warum nutzen sie nicht einfach die Lösung von Creal3D? Schliesslich sitzt Magic Leap auch in Lausanne …


Wir können nicht im Namen anderer sprechen, aber sie wussten bis vor kurzem nichts von uns.

Die Schweiz scheint für VR-Start-ups ein guter Ort zu sein, um von den Grossenübernommen zu werden. Gibt es eine realistische Alternative dazu?


Eine Möglichkeit ist es, einen neuen Technologie-Riesen zu erschaffen. Im Ernst: Schweizer Unternehmen haben traditionell einen sehr guten Ruf und grossen Erfolg im High-End-Markt – ob nun in der Medizinaltechnik oder in der Fertigung. Es gibt diesen Weg der Unabhängigkeit also und der passt auch für AR/VR-Unternehmen.

 

 

Tomas Sluka ist Geschäftsführer und Mitgründer des Lausanner Start-ups Creal3D. Zuvor hat der promovierte Ingenieur aus Tschechien viele Jahre an der EPFL und Universität Genf geforscht. Creal3D verwendet im Virtual-Reality-Bereich Lichtfeldprojektoren, um Bilder mit realistischer Tiefenwahrnehmung zu produzieren, sodass die virtuelle mit der realen Welt eins werden kann. Creal3D war 2018 Gewinner des Zühlke Industrialization Check Up. Start-ups gewinnen dabei von Zühlke Beratung zur Industrialisierung ihrer Produkte.

 

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