DAS THEMA START-UPS BRAUCHT QUERDENKER

Michael Zeugin möchte eine Schweiz, die Wachstum, Nachhaltigkeit und Lebensqualität vereint. Nicht zuletzt deshalb setzt sich der gebürtige Winterthurer für die immer schneller wachsende Start-up-Szene ein. Als Zürcher Kantonsrat und Mitglied im Beirat des Entrepreneur Club Winterthur vernetzt Zeugin Politik und Innovation.

 

Interview: Mirjam Wenger

Du machst dich stark für die Förderung von Jungunternehmen. Was fasziniert dich an der Szene?


Sie ist nicht nur sehr dynamisch, sondern ich treffe auch immer wieder auf spannende Leute. Ausserdem vereinen Start-ups Fortschritt und Innovation und schaffen so die Arbeitsplätze und den Wohlstand von morgen. Das macht sie für unsere Gesellschaft unverzichtbar.

Wie helfen gerade Start-ups, unser Wirtschaftswachstum zu fördern?


Start-ups haben keine langjährige Unternehmensvergangenheit. Sie sind unbelastet, was sie extrem flexibel macht. Klar, junge Unternehmen mischen die Wirtschaft auf – dieser kreative und schöpferische Prozess ist jedoch sehr wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Er regt den Fortschritt an, dem die Schweiz ihren Wohlstand verdankt.

Wie kann die Politik die Entrepreneure unterstützen?


Das beginnt bei der Wertschätzung. Ein Start-up-freundliches Klima ist sehr wichtig. Dazu gehört auch das Bewusstsein, scheitern zu dürfen. Wenns sein muss, auch zwei oder drei Mal. Lernen durch Scheitern! Mit diesem Bewusstsein tut sich die Schweiz manchmal noch etwas schwer. Die Palette von Unterstützungsmöglichkeiten ist aber noch viel breiter und beschränkt sich nicht auf den Softbereich. Besteuerung und Arbeitsplatzbewilligungen sind ebenso wichtige Themen.

Eine Steuerbefreiung für Jungunternehmen hast du ja mal gefordert …


Genau, wir haben letztes Jahr einen Vorstoss gemacht, bei dem es darum ging, Start-ups in ihren ersten fünf Jahren nach der Gründung von den Steuern zu befreien. Damit wäre natürlich auch ein Grossteil des bürokratischen Aufwands weggefallen. Die Energie würde dadurch für das Positive freigesetzt, nämlich für den Aufbau des Unternehmens. Leider wurde unser Vorstoss vom Kantonsrat versenkt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass das Thema Start-ups Querdenker braucht!

Wäre den Jungunternehmenden mit einer Finanzspritze vom Kanton geholfen?


Nein, das wäre nicht die richtige Form von Unterstützung. Der Kanton soll nicht zum Investor werden, aber er soll die Rahmenbedingungen schaffen, damit Start-ups die besten Voraussetzungen haben, erfolgreich Fuss zu fassen und im Geschäft zu bleiben. Arbeitsbewilligungen sind hier ein wichtiges Stichwort. Gerade in der Biotech- und der IT-Branche sind hochqualifizierte Leute gefragt, die oft aus dem Ausland kommen. Ohne Arbeitsbewilligungen wird es dann natürlich schwierig.

Worin siehst du für angehende Gründerinnen und Gründer die Vorteile des Standorts Schweiz gegenüber dem Ausland?


Letztlich geht es darum, die optimale Positionierung zu finden. Wenn wir uns überlegen, in welchen Bereichen wir uns spezialisieren möchten, sind wir gut beraten. Die Schweiz bietet politische und finanzielle Stabilität und hat ein hohes Bildungsniveau. Durch die grosse Lebensqualität können wir diese Vorteile voll ausspielen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Schweiz nicht nur monothematisch unterwegs ist. Vor allem im Cleantech- und IT-Bereich ist grosses Potenzial vorhanden. Wir haben bereits vieles und müssen nur noch darauf aufbauen!

Auf welche Entwicklungen im Bereich Start-ups bist du persönlich besonders stolz?


Die Schweizer Volkswirtschaft schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden. In der Industrialisierung gab es eine unglaublich kreative Phase, in der Start-ups geschaffen wurden. Viele davon sind heute etablierte Firmen. Die Dynamik dieser Gründerjahre spüre ich heute wieder stärker. Nicht nur in der Industrie, sondern vor allem im Cleantech-, Bio- und Dienstleistungsbereich. In diesen Bereichen ist die Schweiz ziemlich stark!

Welchen Rat gibst du jemandem, der eine grandiose Idee hat und nun ein Start-up gründen möchte?


Ich habe zwei Tipps: Zuallererst ist es wichtig, sich mit guten Leuten zusammenzutun, denn eine Spitzenleistung ist nur im Team möglich. Und dann kommt dazu: Die Idee alleine macht erst ein Prozent von dem aus, was noch auf euch zukommt. Eine Idee muss auch umgesetzt werden. Das heisst, Ihr müsst es einfach machen!

 

Weitere Infos unter
www.ec-w.ch

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