Die Brennstoffzelle holt auf

Elektroautos dürften bald auf den Massenmarkt drängen. Doch die Zukunft der Mobilität kommt nicht nur aus der Steckdose: Die Brennstoffzelle holt auf. Für den Wasserstoff spricht die Vielfalt möglicher Anwendungen.

Von Steffen Klatt

Die BRUSA Elektronik gehört seit Jahrzehnten zu den Pionierinnen der Elektromobilität. Die Spezialistin aus dem St. Galler Rheintal hat schon Komponenten für Stromautos produziert, als die grossen Hersteller noch fast ausschliesslich auf Benzin und Diesel setzten. Doch im Februar teilte das Sennwalder Unternehmen mit, dass es ausser auf das induktive Laden von Batterien auch auf die Brennstoffzellentechnologie setzen wolle.

 

Hyundai und das Wasserstoffunternehmen H2 Energy aus Opfikon wollen bis 2023
tausend Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff-Elektro-Antrieb auf den Schweizer Markt bringen. (ZVG)

Hyundai liefert Lastwagenflotte


BRUSA steht damit nicht allein. H2 Energy mit Sitz in Opfikon will eine ganze Flotte von Lastwagen auf den Markt bringen, die mit Wasserstoff betrieben werden. Der koreanische Hersteller Hyundai wird die ersten der bestellten tausend Lastwagen noch im laufenden Jahr liefern. Parallel dazu baut H2 Energy die lokale Versorgung mit Wasserstoff auf. Sein Tochterunternehmen Hydrospider hat die norwegische Nel Hydrogen Electrolyser mit der Lieferung des ersten 2-Megawatt-Proton-PEM-Elektrolyseurs beauftragt. Die Anlage, die Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet, soll in der zweiten Jahreshälfte installiert werden. Die 2014 gegründete H2 Energy wird von solchen Schwergewichten wie Agrola, AVIA, Coop, Emil Frey, Fenaco, Migros, Shell Switzerland und Socar unterstützt.

Heimischer Wasserstoff in Lastwagen ist auch keine Zukunftsmusik mehr. H2 Energy stellt schon jetzt am Laufwasserkraftwerk des Aargauer Energieversorgers Eniwa den sauberen Rohstoff her. An der Coop-Tankstelle in Hunzenschwil AG werden damit bereits Coop-Lastwagen betankt.

100kW Brennstoffzellensystem von SwissHydrogen und ESORO mit PowerCell-Brennstoffzellenstack. (ZVG)

Brennstoffzellen Autos in Serie


Hyundai ist nicht der einzige Fahrzeughersteller, der Brennstoffzellen-Fahrzeuge auf den Markt gebracht hat. Honda hat bereits 2008 ein Personenfahrzeug in Serienfertigung hergestellt, auch Toyota und Renault nutzen die Brennstoffzelle. Im Dezember ist mit Mercedes der erste deutsche Hersteller an den Start gegangen. Sein GLC F-Cell kann sowohl mit der Batterie rein elektrisch fahren als auch mit der Brennstoffzelle.

Auch Züge können mit Wasserstoff betrieben werden: Seit September fährt der von Alstom entwickelte Zug Coradia iLint in Niedersachsen. Der weltweit erste Personenzug, der von einer Wasserstoff-Brennstoffzelle angetrieben wird, eignet sich insbesondere für Strecken, für die eine Elektrifizierung zu teuer wäre.

Mercedes-Benz GLC F-Cell. (ZVG)

Speicher für erneuerbare Energien


Der grosse Vorteil von Wasserstoff: Er kann als chemischer Speicher für überschüssige Energie dienen. Der Strom, der an sonnen- oder windreichen Tagen oder in wasserreichen Jahreszeiten nicht benötigt wird, kann zur Herstellung von Wasserstoff verwendet werden. Dieser Wasserstoff wiederum kann nicht nur für den Antrieb von Fahrzeugen eingesetzt werden, sondern auch für die Stromproduktion in Gebäuden und für deren Heizung: Kombinationen von Photovoltaik auf dem Dach und Brennstoffzellenheizungen im Keller gibt es inzwischen bereits ab Stange. Wasserstoff kann zudem zusammen mit CO2 aus der Luft in Methan umgewandelt werden, also in künstliches Erdgas. Damit kann der Rohstoff in das bestehende Gasleitungsnetz eingespeist und überall dort eingesetzt werden, wo heute fossiles Erdgas verwendet wird.

Wasserstoff hat damit das Zeug, zum zentralen Energieträger in einer umfassenden Wasserstoffwirtschaft zu werden – die Energie würde stets dort eingesetzt werden, wo sie gerade gebraucht wird. Und wenn sie nicht gebraucht wird, bleibt sie im Speicher. Damit gleicht Wasserstoff die Schwankungen bei der Produktion der erneuerbaren Energien ebenso aus wie diejenigen beim Energieverbrauch.

Coworking

Events

News

Grüne Städte fördern die Gesundheit

Begrünte Areale in Städten können die Gesundheit der Bewohner auf unterschiedliche Arten fördern, wie verschiedene Studien zeigen. Ein Medienbericht setzt sich mit diesen Ergebnissen...

Start-ups