Die Schweiz könnte die Banken in die Krypto-Welt führen

Wie kann ich mit Franken schnell und sicher in Krypto-Anlagen investieren? Bislang schwierig. Das zu ändern, hat etwa das Schweizer Start-up SCX zum Ziel. Es arbeiten viele daran, die Schweiz als Brücke zwischen Banken und Krypto-Welt zu etablieren.

 

Von Yvonne von Hunnius

Die einen beklagen die Intransparenz der Krypto-Szene, die anderen tüfteln an Lösungen. Wie wäre es also, wenn ich in Krypto-Anlagen investieren könnte und alle Geschäftspartner hätten ein reguläres Konto in Franken bei einer Schweizer Bank? Dabei lägen die verschlüsselten Daten in der Zentralschweiz; es gäbe eine physische Adresse sowie Schweizer Qualitäts- und Sicherheitskriterien. Funktioniert, das will zumindest die neue Krypto-Börse Swiss Crypto Exchange (SCX) unter Beweis stellen. Und das, so die Hoffnung der Gründer, könnte selbst die kritischsten Anleger davon überzeugen, Krypto-Anlagen in ihr Portfolio aufzunehmen. SCX startete im Frühsommer dieses Jahres von Zürich aus und hat kein geringeres Ziel, als Banken mit der Krypto-Welt zu verzahnen und so sicheren Zugang zu digitalen Assets zu schaffen.

Dass das Thema momentan hoch im Kurs steht, zeigt sich an der Schweizer Börsenbetreiberin SIX, die vor kurzem ebenso einen Vorstoss in diese Richtung gemacht hat: Sie will die weltweit erste vollständig integrierte Infrastruktur für den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten aufbauen. Mitte 2019 sind erste Dienstleistungen geplant.

Risiko war oft zu gross.


Das alles sind Antworten auf einen offensichtlichen Missstand. SCX-CEO Cyrill Tröndle sagt: «Will zum Beispiel ein Family Office in Bitcoin anlegen, muss es dazu Franken wechseln und diese an einen der handelsüblichen Krypto-Marktplätze senden.» Und davor schreckten viele zurück. Denn in der Vergangenheit waren die Art von Krypto-Börsen, wie sie bis dato im Markt zu finden sind, immer wieder in Kritik geraten. Risikoprüfungen waren schwer durchführbar. Erst im September haben Hacker Berichten zufolge eine japanische Börse geknackt und für Millionenverluste gesorgt. Viele Nachrichten dieser Art scheinen Akteure in der Schweiz nun zum Anlass für neue Initiativen genommen zu haben.

Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen.


Kein Wunder, ist Vertrauen das oberste Gebot der neuen Börsen. Und SCX unterstreicht das auch durch renommierte Namen im Team. Den SCX-Verwaltungsrat präsidiert der ehemalige Leiter der Schweizer Börse SIX, Christian Katz. Im momentan noch 14-köpfigen Zürcher Team finden sich laut Tröndle neben erfahrenen Finanz-Experten auch Fachleute aus Handel und ICT. Schliesslich will man nicht nur das Vertrauen der Kunden, sondern auch der Banken gewinnen.

Der Start steht kurz bevor – Ende des Jahres soll die nächste Stufe bei SCX gezündet werden. Dann sei die Lösung in Systeme von Schweizer Banken integriert, sagt der CEO. Für Krypto-Assets aufgebohrt werden etwa der sogenannte Custody-Bereich der Banken, bei dem es um die zentrale Verwahrung und Administration von Vermögenswerten geht. Geplant ist ein direkter Zugang zu den digitalen Assets: Alle dort handelnden Parteien haben ein Konto bei einer Schweizer Bank und innerhalb ihrer Systeme läuft auch der Wechsel von Fiat-Geld in Krypto-Währungen. Die Plattform hält selbst keine Assets, arbeitet lediglich als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer. Der Anleger hält Bitcoin bei der Schweizer Bank seines Vertrauens. Und laut Tröndle muss er keine Verluste fürchten durch einen potenziellen Hacker-Angriff auf die Krypto-Börse SCX: «Nichts verschwindet, denn wir besitzen nur die anonymen Referenzwerte.»

Katalysator für den Standort.


SCX und weitere Projekte für sichere und unabhängige Infrastrukturen könnten tatsächlich mehr Transparenz in die Krypto-Welt bringen und auf Dauer etablieren. Damit ist natürlich auch die Hoffnung verbunden, dass dieser Erfolg die Entwicklung neuer Krypto-Produkte ankurbelt. Und das, sagt Tröndle, komme auch Start-ups zugute, denn so hätten sie besseren Zugang zu Risikokapital.

 

Christian Katz, SCX-Verwaltungsratspräsident und Ex-Leiter der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange. (zvg)

Cyrill Tröndle, SCX-Geschäftsführer. (zvg)

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