Diese Start-ups machen Revolutionen

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Biotech-Experten rund um Zürich sind weltweit bekannt. Das Ergebnis ihrer Forschung sind im besten Falle Biotech-Revolutionen und erfolgreiche Start-ups. Mitten drin ist Professor Andreas Plückthun von der Universität Zürich. Er hat drei Firmen mitgegründet.

Interview von Yvonne von Hunnius

Was macht eine florierende Biotech-Start-up-Szene aus?
In allen Biotech-Regionen mit aktiver Start-up-Szene gibt es ein hervorragendes akademisches Umfeld. Egal, ob man nach Europa oder in die USA schaut – immer finden diese Entwicklungen um Universitäten herum statt. Wo Wissenschaftler innovativ und auf hohem Niveau arbeiten, befruchten sie die Szene. Im Grossraum Zürich nehme ich einen gesunden Optimismus wahr. Ich sehe eine Reihe von Firmen, die sich sehr gut entwickeln. Zürich ist insbesondere exzellent aufgestellt in den Bereichen Biochemie und Neurobiologie.

Hilft der Standort bei der Finanzierung?
Diese Branche ist sehr international aufgestellt. Die Investoren kommen aus der ganzen Welt. Zwischen den USA und Europa gibt es aber relevante Unterschiede: In Europa ist die Wahrscheinlichkeit einer Start-Finanzierung für ein Biotech-Start-up zwar kleiner als in den USA. Ist eine Idee in Europa jedoch so weit gekommen, hat sie grössere Chancen zu überleben. Die Selektionsmechanismen funktionieren in Europa also besser – darauf können sich Investoren verlassen, wenn sie einen Einstieg bei einem Start-up planen.

Eines der Biotech-Unternehmen, das Sie mitgegründet haben, G7 Therapeutics, wurde Ende 2016 vom britischen Unternehmen Heptares gekauft. Erfolg oder Scheitern?
Ein Erfolg! Dass diese beiden Partner zusammengegangen sind, ist eine vernünftige Geschäftsentscheidung. Der Standort in Schlieren bleibt erhalten und wird sogar stark ausgebaut. Für die relevante Forschung gibt es nun ein dickeres finanzielles Polster. Ein solcher Exit kann positiv sein. Doch beispielsweise Molecular Partners, bei dem ich auch Mitgründer war, ist bereits um einiges grösser und an der Börse kotiert. Hier war der Börsengang eine adäquate Strategie, um an frisches Kapital für wichtige Projekte zu kommen.

Warum sollten Investoren überhaupt in Biotech-Start-ups investieren? Biotech-Investitionen sind riskant, langwierig und kapitalintensiv.
Das stimmt. Man hat es mit vielen Entwicklungsstufen zu tun, bis man von der Idee über das Labor zu präklinischen und zu klinischen Tests kommt und dann schliesslich zu einer Marktzulassung. Andererseits ist wie bei Molecular Partners wirklich Innovation möglich: Molecular Partners hat es auf Basis von Grundlagenforschung zum ersten Mal geschafft, dass von Menschenhand entworfene Proteine einen therapeutischen Vorteil haben. Wir haben es hier oft mit grossen Innovationssprüngen zu tun. Biotechnologie ermöglicht Revolutionen. Dabei ist nicht nur das Risiko, sondern auch die Gewinnmöglichkeit gross.

Andreas Plückthun
Andreas Plückthun ist seit 1993 Professor am Biochemischen Institut der Universität Zürich. Er ist Mitgründer von drei universitären Ausgründungen. In Schlieren bei Zürich sind zwei von ihnen beheimatet: das inzwischen börsenkotierte Unternehmen Molecular Partners und die Ende 2016 vom britischen Unternehmen Heptares übernommene Firma G7 Therapeutics. Das dritte Unternehmen, Morphosys, sitzt in München.