Für Food-Innovationen ist die Schweiz perfekt

Die Schweizer Szene für Start-ups im Lebensmittelbereich profitiert vom Trend der Regionalität. Doch in der innovativen Schweiz ginge durch Vernetzung noch viel mehr, sagt Mark Leinemann, der Präsident von crowdfoods, des ersten offiziellen Food-Start-up-Verbands für die Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland.

Interview: Yvonne von Hunnius

Ist die Schweiz ein guter Standort
für Start-ups und Innovationen im Lebensmittelbereich?

Mark Leinemann: Für Food-Innovationen ist die Schweiz perfekt. Die Konsumenten sind experimentierfreudig – in der multikulturellen Schweiz waren neue Einflüsse schon immer in der heimischen Küche willkommen. Zudem ist die Genehmigungspraxis liberal und viel Know-how sitzt im Land: an den Hochschulen in Zürich und Lausanne etwa. Letztlich hat die Schweiz eine lange Geschichte der Food-Innovationen: Man denke nur an den Maggi-Brühwürfel oder die Erfindungen des Technologiekonzerns Bühler.

Und wie sieht es aktuell in der Schweizer Food-Start-up-Szene aus?

Es tut sich viel – auch in Bezug auf die Aufmerksamkeit der Investoren. Die Gründer profitieren dabei vom Trend zu Regionalität und Nachhaltigkeit. Um der Szene mehr Drive zu geben, kommen wir von crowdfoods mit unserem Angebot genau zum idealen Zeitpunkt.

Welche Lücke wollen Sie denn schliessen mit Ihren Aktivitäten?

Einerseits wollen wir die Akteure der Szene sowohl der unterschiedlichen Schweizer Sprachregionen, als auch der Nachbarländer Schweiz, Österreich, Deutschland und Liechtenstein näher zusammenbringen. Andererseits wollen wir Start-ups mit Investoren oder auch der etablierten Food-Wirtschaft verknüpfen. Neben Vertriebspartnern werden oft auch Lohnproduzenten händeringend gesucht.

Und klappt das Matchmaking?

Das wird sich zeigen. Zumindest wurden auf unserem ersten #FoodSummit19 im Februar Waffeln angeboten, für die Lupinenmehl aus Süddeutschland und der Zuckerersatzstoff Legria aus Lausanne zusammenkamen. Beide denken jetzt über eine Kooperation nach. Zudem waren am #FoodSummit19 Vertreter der deutschen Handelsriesen Edeka und Real begeistert von einigen Start-ups, die ihrer Meinung nach Potenzial fürs Regal haben.

In der Schweiz sind Coop und Migros sehr dominant – Fluch oder Segen?

Durch eigene Produkte machen sie Start-ups kräftig Konkurrenz. Doch sie geben einigen Start-ups mit einer Platzierung im Regal auch die Chance, schnell sehr bekannt zu werden. Und für alle, die einen schnellen Exit wollen, sind Coop und Migros natürlich sehr interessant. Aber man darf nicht vergessen, dass es noch andere Akteure gibt: Die Systemgastronomie, die reguläre Gastronomie, Valora oder auch die SBB, die gerade Pop-up-Stores stark fördern.

In welchen Bereichen fehlt Innovation in der Branche?

Wir brauchen Plattformen, die neue Produkte oder Food-Start-ups abbilden und diese gleich lokal sortieren. Das würde es für den Konsumenten leichter machen und die Vernetzung verbessern. Auch sehe ich Nachholbedarf bei richtig nachhaltigen Verpackungslösungen. Hier sind viele Start-ups unzufrieden damit, dass es kaum Alternativen für Plastik gibt.

Mark Leinemann ist als Präsident des crowdfoods-Verbandes verantwortlich für Vermarktung und PR. Leinemann ist Marketingexperte und betreibt in Kreuzlingen die Agentur «MR. WOM», die etablierte Unternehmen und Start-ups im Bereich Mundpropaganda und Empfehlungsmarketing begleitet und Fortbildungen anbietet.

Crowdfoods schickt Dich ans Founder Institute Zürich:


Ein Platz am Founder Institute in Zürich wird durch crowdfoods vergeben. Gründer und Teams können sich bis zum 14. April 2019 noch hierfür bewerben. Als Pre-Seed-Start-up-Accelerator mit Sitz im Silicon Valley ist das Founder Institute weltweit in über 150 Städten aktiv und seit 2019 auch in Zürich. Ein Fokus wird auf Food- und Agro-Themen gelegt.

Weitere Infos unter
www.fi.co/overview

 

Jomo shake macht Nebenprodukt zum Star


wood & field will den Genuss nachhaltiger machen. Erstes Produkt der beiden Gründerinnen Doris Erne und Janice Spiess: der proteinreiche, laktosefreie jomo shake mit Beeren- oder Mocca-Geschmack. Dabei wird Molke verarbeitet – ein sehr wertvolles Nebenprodukt der Käseindustrie, das häufig schlicht im Tierfutter oder in der Biogasanlage landet. In der Milchhof AG im liechtensteinischen Schaan wurde ein Produktionspartner gefunden. wood & field nutzt die Molke aus der Käserei des Milchhofs und produziert direkt vor Ort in der Molkerei ihre Shakes. Für Produkt und Entwicklung ist die Lebensmittelingenieurin Doris Erne zuständig, für das Betriebswirtschaftliche Janice Spiess. Gemeinsam haben sie es geschafft, dass die jomo shakes schon kurz nach der Lancierung in den Globus-Kühlregalen und im Online-Shop von Farmy.ch zu finden sind.

Weitere Infos unter
www.woodandfield.ch

 

KITRO kämpft gegen Foodwaste


Die Gründerinnen Anastasia Hofmann und Naomi MacKenzie sagen der Lebensmittelverschwendung in Gross- und Hotelküchen den Kampf an. Die Absolventinnen der Hotelfachschule Lausanne haben das High-Tech-Start-up KITRO gegründet. In der Entwicklungsphase wurden sie etwa durch das Climate-KIC-Accelerator-Programm unterstützt, jetzt geht es mit Businessangels in die Serienproduktion. Kern ist eine Art Waage mit Kamera, die etwa einen Eimer mit Essensresten auf dem Weg zum Müll wiegt. Was im Eimer genau zu finden ist, erkennt die Kamera mithilfe Künstlicher Intelligenz. Schnell wird durch die Auswertung der Ergebnisse klar, wo man die Planung verbessern kann. «Mit unserer Lösung haben grössere Küchen in der Schweiz bis zu 40 Prozent des vermeidbaren Mülls einsparen können», sagt Anastasia Hofmann. Momentan bietet KITRO ein Abo-Modell an, bei dem das Gerät samt Analyseleistung monatlich gebucht werden kann.

Weitere Infos unter
www.kitro.ch

Planted. bringt pflanzliches Fleisch in die Küchen


Man bringe zwei Lebensmittelwissenschaftler ETH und einen Technologiemanager HSG zusammen, lasse sie in Ruhe experimentieren und heraus kommt: Planted. Pascal Bieri, Lukas Böni und Eric Stirnemann haben pflanzliches Fleisch aus Erbsenproteinen und anderen rein pflanzlichen Rohstoffen entwickelt. Sie wenden dabei eine neue Methode an, um die Pflanzenproteine so zu verarbeiten, dass das Endprodukt in Geschmack, Textur und Aussehen Fleisch verblüffend nahe kommt. Diese Idee konnten sie dank eines Pioneer Fellowships der ETH Zürich weitertreiben. Noch stehen die Gründer am Anfang, doch eines wissen sie: «Wir wollen mit Planted. nicht sofort in den Einzelhandel, sondern suchen momentan nach Gastro- und Foodservicepartnern. Wir glauben, unser Produkt kann sein Potenzial voll entfalten, wenn es perfekt zubereitet zum Konsumenten kommt», sagt Lukas Böni.

Weitere Infos unter
planted.ch

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Algorithmen sollen bei gesunder Ernährung helfen

Die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) will einen Algorithmus für die individuelle glykämische Reaktion bei der Ernährung entwickeln. Das Forschungsprojekt Food & You setzt...

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