Indien Land der Gewürze, Investoren und Start-ups

Bild: Pascal Wasinger

Ein indisches Sprichwort besagt: «Hinter jeder Haustür, an der du in Bangalore klopfst, wirst du mindestens einen Ingenieur finden.» Heute findet man dort ein Start-up. «booster» hat das Schweizer Start-up sobu an einen Investorengipfel in Indien begleitet.

 

Bilder und Text: Pascal Wasinger

Indien hat ein eigenes Silicon Valley, es befindet sich in Bangalore. Die südindische Millionenstadt ist seit Jahrzehnten die Drehscheibe für Informationstechnologie im Land und hat im Laufe der Jahre auch ein günstiges Umfeld für kleine Unternehmen und Start-ups geschaffen.

Im Rahmen der Innovationsförderung Schweiz (Innosuisse) und der Organisation swissnex begleiteten wir von «booster» das Start-up sobu in diese pulsierende Stadt, welche seit 2014 offiziell Bengaluru heisst. Sobu (sobu = social business) versteht sich als Tripadvisor des E-Commerce. Das Geschäftsmodell basiert auf Weiterempfehlung unter dem Motto: «Kaufen – Teilen – Profitieren». Anlass für die Reise war der Event «LetsIgnite Cross Border»: Das ist ein Investorengipfel, der 2018 bereits zum dritten Mal stattfand, eine gemeinsame Initiative der indischen Business-Angel-Plattform LetsVenture und Swissnex India, dem Generalkonsulat der Schweiz. Hier will man globale Investitionsmöglichkeiten schaffen und Investorenbeziehungen zwischen acht investitionsstarken Ländern aufbauen: der Schweiz, Indien, Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden.

Jedes teilnehmende Land entsandte zwei bis fünf vielversprechende Start-ups, die nach Marktzugang und Investitionen in Indien suchen. So reiste sobu einmal um den halben Erdball, um mögliche Investoren und Business Angels zu treffen, die ihr Start-up auf die nächste Ebene boosten.

Bild: Pascal Wasinger
Bild: Pascal Wasinger

Was macht sobu?


Roberto D’Elia: Nach dem Prinzip «Kaufen – Teilen – Profitieren» empfehlen sobu-User ihren Freunden über soziale Netzwerke Produkte, die sie in ihrem Onlineshop gekauft haben. Folgt ein Freund der Empfehlung und kauft ebenfalls in ihrem Onlineshop ein, so erhält er einen Rabatt. Der Empfehler wiederum profitiert von einer Provision, deren Höhe vom Shop festgelegt wird.

Wie wird man Teil des Förderprogrammes der Innosuisse?


Man muss sich dafür einem Bewerbungsprozess stellen, zu dem einem auch ein Coach zur Verfügung gestellt wird. Der ganze Ablauf geht zirka zwei Jahre, bis man das Label von Innosuisse bekommt. Bewerben können sich Start-ups und Spinn-offs aus dem Innovationsbereich, rund 90 Prozent sind Spin-offs einer Universität.

Was hat dich nach Indien gebracht?


Indien ist ein weiterer Meilenstein des Label-Prozesses der Innosuisse, für welchen wir vom Gremium ausgewählt wurden. Der erste war in San Francisco, bei dem wir an einem Entry Camp teilnehmen durften und bereits erste Silicon Valley Luft schnuppern durften.

Wer hat dich begleitet?


Wir sind in einer kleinen Gruppe angereist, begleitet wurde ich von Adriano Nicoliello als Spezialist für den Aufbau von sobu, sowie unserem Chef-Entwickler Vjendra Kumar, der aus Delhi hinzugestossen ist.

Wer hat euch vor Ort unterstützt?


In Bangalore wurden wir von swissnex India unter der Leitung von Sébastien Hug, dem CEO und Schweizer Generalkonsul, sowie dem ganzen Team unterstützt, welches uns wichtige Kontakte sowie Treffen mit Business Angels und Investoren organisierte.

Sébastien Hug – CEO of swissnex India, Consul General of Switzerland in Bangalore Bild: Pascal Wasinger

Mit welchen Erwartungen seid ihr angereist?


Das Ziel war es, mindestens fünf Gespräche mit Investoren zu führen, um unser Produkt vorzustellen, sowie herauszufinden, ob es in Indien einen Marktbedarf für sobu gibt. Es hat sich gezeigt, dass ein Interesse dafür besteht.

Welche Summe sucht Ihr, um sobu auf die nächste Ebene zu boosten?


Wir brauchen ein Skalierungskapital von fünf Millionen Franken für die Pre-A-Round, welche wir bis Ende 2018 zu erreichen versuchen.

Roberto D’Elia im Gespräch mit Investoren Bild: Pascal Wasinger

Was hat sich am Anlass ergeben?


Wir konnten einige Investoren treffen sowie Interessenten am Skalierungs-Konzept. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir Nachfolgegespräche führen. Für den indischen Markt konnten wir bereits erfolgreich ein MOU (Memoradum of Understanding) unterzeichnen. Ein weiterer grosser Schritt auf dem Weg der Internationalisierung.

Neben dem «LetsIgnite Border Cross» Event gab es noch ein anderes Highlight, was war das genau?


Am Folgetag organisierte der Schweizer Botschafter eine Privataudienz im kleinen Rahmen, bei dem eine Delegation der Organisation «Business Angels Switzerland» sowie eine ausgewählte Gruppe indischer Investoren eingeladen war. Beim Abendessen konnten die Gespräche des Vortages vertieft werden und das alles in privater Atmosphäre – ein echtes Highlight.

Noch was zum Schluss?


Ich möchte dem ganzen «booster»-Team ein grosses Dankeschön aussprechen, es freut uns ausserordentlich, dass Ihr sobu auf dieser spannenden Reise begleitet habt.

Innosuisse


Innosuisse ist die schweizerische Agentur für Innovationsförderung. Sie ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit. Die Aufgabe von Innosuisse ist es, die wissenschaftsbasierte Innovation im Interesse von Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern. Die Kombination von Wissen, Erfahrung, Forschung und Entwicklung ist heute der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Innosuisse fördert mit Innovationsprojekten, Vernetzung, Ausbildung und Coaching gezielt die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Markt. So, dass daraus erfolgreiche Schweizer Start-ups, Produkte und Dienstleistungen entstehen können.

Weitere Infos unter
www.innosuisse.ch

 

swissnex


swissnex ist das weltweite Schweizer Aussennetz für Bildung, Forschung und Innovation. Schweizer Partnern wird Unterstützung geboten bei der internationalen Vernetzung und beim Engagement im globalen Austausch von Wissen, Ideen und Talenten. Die fünf swissnex-Standorte und ihre Aussenstellen befinden sich in den innovativsten Zentren der Welt. Gemeinsam mit den rund 20 Wissenschaftsrätinnen und -räten an den Schweizer Botschaften will man die Ausstrahlung der Schweiz als Innovations-Hotspot stärken.

Weitere Infos unter
www.swissnex.org

 

Roberto D’Elia


Roberto D’Elia ist gelernter Betriebswirt und Marketingfachmann, hat 2016 die sobu Group AG gegründet und ist deren CEO. Angefangen hat alles bei der Schweizerischen Post, wo D’Elia verantwortlich war für die Steuerung der Werbeagenturen, dessen Mittlergeschäft vorangebracht werden sol

Bild: Pascal Wasinger

lte. Gerade einmal acht Monate dauerte es von der Idee zu einer fertigen Beta-Version von sobu, weitere acht Monate später ging sobu als neuer Hub der Schweizerischen Post an den Start. Dabei sieht sich der Unternehmer in erster Linie als Ideenproduzent und «Enabler» – als denjenigen, der das grosse Ganze entwirft und die Rahmenbedingungen schafft. Um die Expansionspläne des Unternehmens schneller und flexibler voranzutreiben, wurde sobu im Rahmen eines Management-Buy-outs im Mai 2016 aus der Schweizerischen Post ausgegliedert. Seitdem wird sobu von Roberto D’Elia als eigenständiges Unternehmen geführt. Aktuelle Investoren sind unter anderem Jens Freiter (Co-Founder Holidaycheck AG) sowie Jannis Nitsios (Laurus Capital GmbH). Sobu konnte einige Preise gewinnen wie zum Beispiel beim WORLDWEBFORUM 2016, bei Top 25 Startup Grind Europe 2017 sowie Top 100 Startup Grind Worldwide 2018.

V.l. swissnex India team: Lisa Abraham (Jr. Manager Communications), Anju Edgar (Head of Communications), Swetha Suresh (Sr. Manager – Innovation & Healthtech), Pascal Wasinger (Co-Founder «booster» Magazin) Bild: Pascal Wasinger
Priyank Kharge – Honorable Minister for Social Welfare, Government of Karnataka Bild: Pascal Wasinger
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V.l. Deepika Prithviraj von LetsVenture und Prateek Khare – Head of Entrepreneurship and Innovation bei swissnex India. Bild: Pascal Wasinger
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