Interview mit Barbara Angelsberger

Bild: Pascal Wasinger

Schlieren ist im Wandel und hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Immer mehr Start-ups ziehen nach Schlieren, wann hat das angefangen? Am Anfang stand der Untergang der Wagonfabrik. Auf einen Schlag verloren viele Menschen ihre Arbeit, ein riesiges Areal stand plötzlich leer. Ein findiger Unternehmer namens Leo Krummenacher aus der Innerschweiz hat das Land gekauft und angefangen zu renovieren und neue Gebäude zu bauen. Es wurden Labors eingerichtet, welche der Uni Zürich und der ETH angeboten wurden. Bald kamen kleinere Start-ups aus dem Biotech-Bereich, die froh waren, günstige und bezugsbereite Labors mieten zu können. Einige darunter waren sehr erfolgreich. Später folgten auch die grossen Biotech-Firmen.

Wie hat sich das Angebot an Gewerbeflächen verändert? Es gab zu viel Leerstand in Schlieren. Das war unserem Standortförderer, Albert Schweizer, ein Dorn im Auge. Nach dem Bezug des neuen Sony-Gebäudes standen die alten Liegenschaften an einer Top-Lage, direkt beim Bahnhof, leer. Bald konnten die ersten Medtech-Firmen für den Standort Schlieren gewonnen werden. Später wurde der Verein Start Smart Schlieren gegründet, der Firmen bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten unterstützt und auch sein Netzwerk zugänglich macht. Die Ansiedlung des Instituts für Jungunternehmen hat ebenfalls viele Start-ups nach Schlieren angezogen.

Wie sollten Räumlichkeiten für Start-ups angeboten werden? Das Beispiel des Biotech-Parks zeigt, dass Leo Krummenacher mit betriebsbereiten Labors sehr erfolgreich war, weil die Mieter vor dem Bezug keine grossen Investitionen in Kauf nehmen mussten. Ein Start-up kann es sich meistens nicht leisten, viel Kapital in einen Innenausbau zu investieren. Gefragt sind heute sofort verfügbare, flexible Arbeitsplätze zu günstigen Konditionen mit einem Treffpunkt wie einer Küche oder einem Aufenthaltsraum, wo ein sozialer Austausch stattfinden kann.

Können Sie ein paar spannende Start-ups nennen? Einige Start-ups in Schlieren hatten durchschlagenden Erfolg. Darunter Virtamed, welches im Medtech-Bereich tätig ist. Zu erwähnen ist auch Contovista aus dem Bereich Fintech. Diese haben klein angefangen und sind dann rasant schnell gewachsen.

Wie wird sich Schlieren, Zürich und die Schweiz im Zuge der Digitalisierung verändern? In meinen Augen wird dies zu einer komplett anderen Arbeitswelt führen. Ich denke aber, dass es noch eine Generation dauert, weil Leute mit der notwendigen Ausbildung fehlen und es auch Menschen gibt, die nicht bereit sind, auf diesen Zug aufzusteigen. Wir müssen auch aufpassen, nicht einem Hype zu verfallen. Zentral ist, dass man bereits in der Schule programmieren lernt.

Wo sehen Sie die Chancen der Digitalisierung? Selbstfahrende Autos können zum Beispiel die Lebensqualität älterer Leute, welche nicht mehr Auto fahren können oder wollen, stark erhöhen. Sie werden von zu Hause abgeholt oder nach Hause gefahren und müssen sich nicht mühsam zu einer Bushaltestelle oder einem Bahnhof bemühen oder ein teures Taxi nehmen. Damit holt man sicher viele ältere Leute aus der Isolation.

Das soziale Leben findet heute ja quasi zu einem grossen Teil in den Sozialen Medien statt und nicht mehr im realen Leben. Wie sehen Sie dies? Wenn ich heute kleine Kinder hätte, würde ich einen Computer mitten im Wohnzimmer aufstellen. Die Kinder alleine in ihrem Zimmer am Computer sitzen lassen, käme für mich nicht in Frage. Wichtig ist, dass schon früh der massvolle Umgang mit den neuen Technologien gelernt wird.

Barbara Angelsberger
Barbara Angelsberger, Jahrgang 1951, wohnt seit 1990 in Urdorf. Sie ist verheiratet, die drei erwachsenen Kinder haben zum Teil bereits eigene Familien und sind ebenfalls sehr aktiv engagiert. Barbara Angelsberger, Kauffrau, führt ihr eigenes Unternehmen, BAHEM GmbH Organisation und Beratung. Die Firma ist spezialisiert auf den Support von Standortförderungen, unterstützt Start-up-Firmen in ihrem Aufbau und vermittelt Lobbying-Unterstützung, sowie Networking und politische Unterstützung.

Barbara Angelsberger war und ist aktiv in der Politik. Das Amt einer Bezirksschulpflegerin bekleidete sie von 1993 bis 2001. Bereits 1997 übernahm sie das Präsidium der FDP Schlieren, welches sie noch heute innehat. Ebenfalls ist sie auch heute noch in den folgenden Ämtern aktiv: Vorstandsmitglied FDP Frauen Kanton Zürich (seit 1997), Vize-Präsidentin FDP Bezirk Dietikon (seit 1999), Mitglied Geschäftsleitung FDP Frauen Schweiz (seit 2004) und Mitglied der Kommission für äussere Sicherheit FDP Kanton Zürich (seit 2005). Von 2001 bis 2008 war sie Präsidentin FDP Frauen Kanton Zürich und von 2002 bis 2008 Vorstandsmitglied der FDP Kanton Zürich. Sie war auch von 2006 bis 2011 Kantonsrätin des Kantons Zürich.