Interview mit Dolfi Müller

Für Zugs Stadtpräsidenten Dolfi Müller ist klar, dass Regierende immer auch Pioniere sein müssen. Dieses Motto sorgt dafür, dass sich in Zug viel bewegt: Binnen kürzester Zeit ist man als Crypto Valley zum internationalen Hotspot für die Blockchain-Industrie geworden.

Interview: Yvonne von Hunnius

Wie kam es, dass Zug zum Crypto Valley wurde? Der Start war, dass vor rund vier Jahren eine Art Raumschiff mit Blockchain-Start-ups bei uns gelandet ist. Und wir waren neugierig genug, um diese willkommen zu heissen und ihnen zuzuhören. Diese Akteure hatten sich bewusst für den Grossraum Zürich entschieden, weil hier geballte Finanz- und IT-Kompetenz zu finden ist. Aber auch, weil sie eine Parallele sahen zwischen der dezentral organisierten Schweiz und der dezentralen Blockchain-Idee. Unsere Entscheidung, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, war 2016 dann eine spontane Idee und der Beginn einer wahren Welle. Entscheidend ist ein sogenannter open mindset: Diese neue Welt braucht neue Herangehensweisen. Wir müssen etwas riskieren – keine Steuergelder natürlich, aber wir haben die Chancen ergriffen, die sich uns boten.

Nun ist Zug nicht nur mit der Bitcoin-Akzeptanz, sondern auch mit der digitalen Identität vorgeprescht. Was bedeuten diese Schachzüge für Sie? Schachzug ist das richtige Stichwort, denn die Schachanalogie passt. Die übergeordneten Spielregeln bestimmt der Bund in Bern – bestenfalls in Form einer «soft regulation», bei der genau geschaut wird, wo der Bund steuern muss und wo etwas dem Markt überlassen wird. Kantone sorgen für Standortfaktoren wie Bildungsinstitutionen, Mobilitätsfaktoren und auch effiziente Bürokratie. Letztlich sind die Rösser auf dem Schachfeld Akteure wie die Stadt Zug. Wir setzen Signale mit Initiativen wie der Bitcoin-Akzeptanz, der digitalen Identität oder seit neuestem den Tests mit selbstfahrenden Bussen.

Über 200 Blockchain-Unternehmen sind hier in den letzten eineinhalb Jahren ansässig geworden – wie profitiert die etablierte Wirtschaft davon? Zunächst bringt das sicher rund 500 Arbeitsplätze. Und auch wenn Blockchain-Experten Arbeitstiere sind, kurbeln sie die regionale Wirtschaft durch ihren Konsum an. Das wirklich Interessante ist aber, dass diese neuen Unternehmen marktfähige Blockchain-Projekte in die Wirtschaft hineintragen und diese dadurch befruchten. Es gibt ein grosses Potenzial für Blockchain-Anwendungen in allen möglichen Sektoren.

Dafür müssen sich Partner finden … Das ist das Prinzip. Wir haben schon recht früh runde Tische zum Thema Blockchain organisiert mit Experten aus verschiedenen Bereichen. Es gibt Kooperationen etwa mit der Hochschule Luzern in Rotkreuz, der ETH Zürich, dem Fintech-Cluster. Einige private Akteure haben erfolgreich dazu beigetragen, dass sich ein Ökosystem bilden konnte. Die Crypto Valley Association hat in kurzer Zeit 600 Mitglieder gewonnen. Lakeside Partners regt die Szene an durch den Coworking Space für Blockchain-Unternehmen, Konferenzen und viele weitere Initiativen.

Dennoch bleibt die Frage: Weshalb ist gerade in Zug diese neue Ökonomie auf so fruchtbaren Boden gefallen? Das passt zu uns. Als in Zug in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein Steuergesetz mit sehr guten Konditionen eingeführt wurde, sah man eine Entwicklung voraus, die wir heute als Globalisierung bezeichnen. Das zeigte Pioniergeist. Eine Regierung sollte immer auch pionierhaft agieren. Wir als kleine Akteure müssen Ideen haben und beweglich bleiben, sonst gehen wir unter.

Welche digitale Innovation wird die Zukunft positiv verändern? Dolfi Müller: Das wird die Blockchain-Technologie sein. Ich bin überzeugt, dass sie für unsere Zukunft ähnlich
prägend sein wird wie das heutige Internet.

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